

Marketing
Deine Website klingt nach allen. Nur nicht nach dir.
Ich lese viele Websites. Beruflich, aus Neugier, manchmal aus Versehen. Und mir fällt auf, dass die meisten Selbstständigen-Websites gleich klingen. Nicht schlecht. Nicht fehlerhaft. Einfach gleich.
„Ich begleite dich auf deinem Weg zu mehr Sichtbarkeit." „Mit Herz und Strategie bringe ich deine Marke zum Strahlen." „Du verdienst einen Auftritt, der dich widerspiegelt."
Jeder dieser Sätze könnte auf jeder zweiten Website stehen. Und genau das ist das Problem. Wenn deine Texte austauschbar sind, ist es deine Marke auch. Egal wie schön das Design ist.
Warum die meisten Website-Texte gleich klingen
Der Grund ist simpel: Die meisten Menschen schreiben ihre Texte nicht aus sich heraus. Sie schauen sich an, was andere schreiben und orientieren sich daran. Nicht weil sie Copy-Cats sein wollen, sondern weil sie unsicher sind. Weil Schreiben sich verletzbar anfühlt. Und weil es einfacher ist, bewährte Formulierungen zu übernehmen, als eigene zu finden.
Dazu kommt, dass viele sich an Copywriting-Formeln halten. AIDA, PAS, die Heldenreise. Diese Frameworks haben ihre Berechtigung, aber wenn jeder dieselbe Struktur benutzt, entsteht ein seltsamer Einheitsbrei. Jede Angebotsseite beginnt mit dem Schmerz der Zielgruppe, gefolgt von der Transformation, gefolgt vom Call-to-Action. Handwerklich korrekt. Menschlich austauschbar.
Und seit es KI gibt, hat sich das Ganze nochmal verschärft. ChatGPT schreibt flüssige, grammatisch korrekte Texte. Aber sie klingen nach ChatGPT. Diesen leicht überschwänglichen, freundlich-generischen Ton erkennt man inzwischen sofort. Und dein*e Besucher*in erkennt ihn auch.
Was „nach dir klingen" eigentlich bedeutet
Es bedeutet nicht, dass du schreiben musst wie du sprichst. Es bedeutet, dass jemand, der dich kennt, beim Lesen deiner Website denken sollte: Ja, genau so ist sie.
Das kann direkt sein oder nachdenklich. Knapp oder ausführlich. Lustig oder ernst. Es gibt kein richtiges Format. Es gibt nur deins.
Meine eigenen Texte klingen anders als die meiner Kundinnen. Und die Texte meiner Kundinnen klingen anders als die ihrer Kolleginnen. Das ist kein Zufall, das ist das Ergebnis davon, dass wir vorher geklärt haben, wer diese Person als Marke ist. Welche Worte zu ihr passen. Welche nicht. Welche Haltung sie einnimmt. Wo sie klar ist und wo sie bewusst Raum lässt.
Deine Stimme zu finden heißt nicht, auf Teufel komm raus kreativ zu werden. Es heißt, ehrlich zu werden.
Drei Dinge, die deine Texte sofort persönlicher machen
Schreib einen Satz, den nur du schreiben würdest. Etwas enthält, das aus deiner Erfahrung kommt. Eine Beobachtung, die du bei der Arbeit gemacht hast. Eine Meinung, die du wirklich vertrittst. Ein Beispiel, das nur du bringen kannst, weil du es erlebt hast. Wenn du deinen Namen unter dem Text entfernen könntest und er trotzdem noch auf jeder beliebigen Website funktionieren würde, fehlt genau das.
Streich alles, was du schreibst, weil man das so schreibt. „Ich brenne für..." Wirklich? Oder schreibst du das, weil es jeder schreibt? „Ganzheitlich." Was bedeutet das konkret bei dir? „Auf Augenhöhe." Das sagt inzwischen auch die Steuerberaterin und der Hundetrainer. Jedes Mal, wenn du einen Satz schreibst und dabei das Gefühl hast, den schon hundertmal gelesen zu haben, lösch ihn. Und schreib stattdessen, was du wirklich meinst.
Lies dir deine Texte laut vor. Klingt banal, ist aber der schnellste Test. Wenn du beim Vorlesen stolperst, ist der Satz zu lang oder zu umständlich. Wenn du dich beim Vorlesen schämst, weil es zu pathetisch klingt, ist es zu pathetisch. Und wenn du beim Vorlesen denkst „das würde ich so nie sagen", dann schreib es so, wie du es sagen würdest.
Warum KI hier ein Werkzeug ist, aber keine Lösung
Ich nutze KI selbst. Für Entwürfe, für Struktur, zum Gegenlesen. Aber ich würde nie einen Text von ChatGPT nehmen und ihn als meinen veröffentlichen. Weil er nicht meiner ist.
KI kann dir helfen, eine Schreibblockade zu überwinden. Sie kann dir Varianten liefern, an die du selbst nicht gedacht hast. Sie kann einen Rohentwurf strukturieren, den du dann in deinen Worten umschreibst.
Aber die Stimme muss von dir kommen. Die Meinung, die Haltung, die Art wie du einen Gedanken zu Ende denkst. Das kann keine KI. Und genau das ist der Teil, der deine Texte unverwechselbar macht.
Wer seine kompletten Website-Texte von ChatGPT schreiben lässt, spart Zeit. Aber er zahlt mit Persönlichkeit. Und Persönlichkeit ist das Einzige, das im Netz wirklich auffällt.
Wann du deine Texte nicht selbst schreiben solltest
Ehrliche Einordnung: Wenn du gerade nicht weißt, wofür du stehst, werden auch deine selbst geschriebenen Texte nicht klingen. Dann schreibst du zwar in deinen Worten, aber ohne klare Richtung. Das Ergebnis fühlt sich besser an als KI-Text, bringt dich aber auch nicht weiter.
Deine Stimme findest du, wenn du Klarheit hast. Erst wenn du weißt, wer du als Marke bist, für wen du arbeitest und was du anders machst, kannst du Texte schreiben, die das auch zeigen.
Die Reihenfolge ist entscheidend: Erst Klarheit über die Marke, dann Texte, dann Design. Wer beim Schreiben anfängt, ohne die Grundlage zu haben, dreht sich im Kreis und wundert sich, warum nichts passt.
Wenn du merkst, dass du beim Schreiben immer wieder ins Stocken gerätst, weil dir die Worte fehlen, fehlen vielleicht nicht die Worte. Sondern die Klarheit darunter.




