

Branding
Dein Pinterest-Board ist noch kein Moodboard
Jede zweite Selbstständige, die zu mir kommt, hat irgendwo ein Pinterest-Board mit dem Titel „Branding Inspiration“ oder „Meine Marke“.
Dreihundert Pins. Pastell neben Neon. Minimalismus neben Maximalismus. Eine elegante Serifenschrift neben einer Website, die aussieht, als hätte jemand 2017 sehr viel Mut gehabt. Alles irgendwie schön. Alles irgendwie interessant.
Und zusammen?
Ehrlich gesagt oft ziemlich anstrengend.
Das Problem ist nicht Pinterest. Pinterest kann ein guter Ort sein, um visuell zu suchen. Das Problem ist, dass viele aus Suchen direkt Richtung machen wollen. Sie sammeln Dinge, die sie mögen und hoffen, dass daraus irgendwann eine klare Marke wird.
Das passiert nur selten.
Weil ein Moodboard nicht die Sammlung deiner Vorlieben ist. Ein Moodboard ist eine Entscheidung.
Was ein Moodboard eigentlich können muss
Ein gutes Moodboard sagt nicht: Schau mal, was ich alles schön finde.
Es sagt: So soll sich diese Marke anfühlen.
Das ist ein Unterschied. Ein ziemlich großer sogar.
Denn „gefällt mir“ ist erstmal privat. Das darf alles mögliche sein. Eine Küche in Salbeigrün, ein Hotel in Kopenhagen, ein Magazincover, ein Parfumflakon, ein Café mit Terrazzo-Boden. Schön. Mag ich auch. Wahrscheinlich.
Aber „passt zu meiner Marke“ ist eine andere Frage.
Da geht es nicht darum, ob ein Bild ästhetisch ist. Da geht es darum, ob es die richtige Stimmung trägt. Ob es den Ton trifft. Ob es etwas über deine Marke erzählt, bevor jemand ein einziges Wort gelesen hat.
Ein Moodboard ist deshalb kein Deko-Objekt. Es ist auch kein Pinterest-Ausdruck mit hübschen Bildern. Es ist ein Filter.
Es hilft dir später bei Entscheidungen. Welche Schrift passt? Welche Farben tragen die Stimmung? Welche Bildwelt wirkt richtig? Wo wird es zu weich, zu kühl, zu verspielt, zu laut?
Wenn dein Moodboard diese Fragen nicht leichter macht, ist es wahrscheinlich noch keins.
Warum viele Moodboards nicht funktionieren
Die meisten Moodboards scheitern nicht daran, dass die Bilder schlecht sind. Die Bilder sind oft sogar sehr schön.
Sie scheitern daran, dass sie zu viel wollen.
Ein bisschen ruhig, aber auch auffällig. Hochwertig, aber nahbar. Modern, aber zeitlos. Weiblich, aber nicht zu weiblich. Reduziert, aber bitte nicht langweilig. Mutig, aber ohne jemanden abzuschrecken.
Klingt erstmal nachvollziehbar. Ist in der Umsetzung aber oft der direkte Weg in visuelles Rauschen.
Denn wenn ein Board fünf Richtungen gleichzeitig zeigt, gibt es keine Richtung. Es gibt nur Möglichkeiten. Und Möglichkeiten fühlen sich am Anfang frei an, machen Entscheidungen später aber schwerer.
Dann sitzt du vor deiner Website und weißt nicht, ob der Hintergrund jetzt hellbeige, dunkelblau oder doch dieses eine staubige Rosa werden soll. Alles war ja irgendwie auf dem Moodboard. Also ist alles erlaubt.
Genau da liegt das Problem.
Ein gutes Moodboard macht nicht alles möglich. Es begrenzt. Und ja, das kann kurz unangenehm sein. Weglassen fühlt sich oft erstmal falsch an, weil man ja gerade so viele schöne Sachen gefunden hat.
Aber Marke entsteht nicht dadurch, dass alles mitdarf.
Fang nicht bei Bildern an
Ich würde ein Moodboard nie mit Bildern beginnen.
Klingt kontraintuitiv, weil es ja ein visuelles Werkzeug ist. Aber wenn du direkt Bilder sammelst, landest du sehr schnell bei Geschmack. Und Geschmack ist laut. Der funkt sofort dazwischen.
„Oh, das ist schön.“
„Das könnte auch passen.“
„So eine Schrift wollte ich schon immer.“
„Diese Farben sehe ich gerade überall.“
Und plötzlich baust du kein Moodboard für deine Marke, sondern ein kleines Museum deiner aktuellen Vorlieben. Hübsch, aber nicht unbedingt hilfreich.
Fang deshalb bei Worten an.
Wie soll sich deine Marke anfühlen?
Und bitte nicht bei „professionell und kreativ“ stehen bleiben. Das ist ungefähr so konkret wie „Ich möchte eine Website, die schön aussieht“. Versteh ich. Hilft nur nicht.
Besser sind Worte, die eine echte Richtung öffnen.
Ruhig, klar, mit einer kleinen Kante.
Warm, direkt, geerdet.
Reduziert, präzise, mit Raum zum Atmen.
Elegant, aber nicht unnahbar.
Verspielt, aber nicht kindlich.
Solche Worte sind noch keine Gestaltung. Aber sie sind ein Filter. Und ohne Filter wird jedes schöne Bild gefährlich, weil es sich kurz richtig anfühlt.
Sammeln kommt danach. Kuratieren erst recht.
Wenn du deine Worte hast, kannst du Bilder suchen. Aber nicht dreihundert.
Eher zehn bis fünfzehn.
Und bitte nicht nur Logos, Websites und Instagram-Templates. Die führen oft dazu, dass man bestehende Marken nachbaut, ohne es zu merken.
Such breiter.
Architektur. Räume. Stoffe. Natur. Mode. Kunst. Typografie. Verpackungen. Schatten. Oberflächen. Ein Foto von einem Flur kann mehr über deine Marke erzählen als die fünfte Website mit perfektem Hero-Bereich.
Dein Moodboard muss nicht aus deiner Branche kommen. Es muss aus deiner Stimmung kommen.
Und dann wird aussortiert.
Nicht: Was ist schön?
Sondern: Was trägt die Richtung?
Wenn ein Bild das Gefühl stört, fliegt es raus. Auch wenn du es magst. Gerade dann wird es interessant.
Denn genau da beginnt der Unterschied zwischen sammeln und entscheiden.
Die Sache mit den Farben
Viele wollen beim Moodboard sofort Farben festlegen.
„Ich möchte Salbeigrün und warmes Beige.“
Kann passen. Kann aber auch einfach die visuelle Komfortzone sein, in der gerade sehr viele Marken unterwegs sind. Vor allem Marken, die „natürlich, hochwertig und nahbar“ wirken wollen. Also ungefähr die halbe Selbstständigen-Bubble.
Die bessere Frage ist: Was soll diese Farbe tun?
Soll sie beruhigen? Struktur geben? Wärme reinbringen? Distanz schaffen? Etwas Eigenes behaupten? Oder ist sie nur da, weil du sie gerade überall siehst und sie sich sicher anfühlt?
Ein Moodboard hilft dir, Farben zu finden, statt sie dir auszudenken.
Wenn du deine Bilder nebeneinanderlegst, tauchen bestimmte Töne oft von allein wieder auf. Vielleicht ist es gar nicht Salbeigrün, sondern ein kühles Grau mit viel Luft. Vielleicht ist das Beige zu weich und deine Marke braucht mehr Kontrast. Vielleicht merkst du, dass die warmen Töne zwar schön sind, aber deine Arbeit viel präziser ist, als diese Farbwelt erzählt.
Dann wird Farbe nicht zur Geschmacksfrage, sondern zur Folge einer strategischen Entscheidung.
Und genau dafür ist ein Moodboard da.
Analog oder digital?
Beides funktioniert.
Ich mag physische Moodboards trotzdem sehr. Nicht, weil sie professioneller wären. Eher, weil man anders entscheidet, wenn die Bilder wirklich vor einem liegen.
Du siehst Proportionen klarer. Du merkst schneller, wenn ein Bild schreit und alle anderen nur noch danebenstehen. Du kannst Dinge wegnehmen, dazulegen, verschieben. Und dein Tisch ist irgendwann voll. Das ist hilfreich. Das Internet ist endlos, dein Tisch nicht.
Digital ist aber nicht falsch. Wenn Figma, Canva oder Pinterest für dich besser funktionieren, nutz das. Das Medium ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist, ob du bewusst auswählst.
Nicht speichern, weil es schön ist. Auswählen, weil es die Richtung trägt.
Wann dein Moodboard fertig ist
Ein Moodboard ist fertig, wenn du es anschaust und ein klares Gefühl bekommst.
Nicht fünf Gefühle. Eins.
Und wenn jemand anders es anschaut und ungefähr dasselbe versteht. Vielleicht nicht mit denselben Worten, aber in derselben Richtung.
Dann ist es kein Sammelsurium mehr. Dann wird es ein Werkzeug.
Es nimmt dir die späteren Entscheidungen nicht ab. Das wäre auch ein bisschen viel verlangt von ein paar Bildern auf Papier. Aber es zeigt dir, wohin die Entscheidungen gehen müssen.
Bei der Schrift. Bei den Farben. Bei der Bildwelt. Beim gesamten Auftritt.
Und manchmal zeigt es dir auch, dass du noch gar nicht bereit bist für ein Moodboard. Weil die eigentliche Frage vorher liegt.
Wofür soll deine Marke stehen?
Wie soll sie wahrgenommen werden?
Welche Menschen sollen sich angesprochen fühlen?
Und welche eben nicht?
Wenn das noch wackelt, wird auch das schönste Moodboard nur dekorieren, was strategisch noch nicht sortiert ist.
Da würde ich ansetzen.
Wenn du merkst, dass du zwar eine visuelle Vorstellung von deiner Marke hast, aber nicht sicher bist, ob sie wirklich zu deiner Positionierung passt, ist die Clarity Session ein guter erster Schritt.

Ich bin Brand- und Webdesignerin und helfe selbstständigen Frauen dabei, eine Marke aufzubauen, die klar ist, nach ihnen klingt und auch mit KI unverwechselbar bleibt. Mit Strategie, Sprache und Design, die zusammengehören.
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