

Branding
Warum deine KI-Texte nach KI klingen
Ich erkenne KI-Texte sofort. Die klingen alle gleich. Und das liegt meistens nicht an der KI.
Kurze Klarstellung, bevor wir anfangen: Das hier ist kein Artikel darüber, ob KI gut oder schlecht ist. Ob sie Jobs vernichtet oder neue schafft. Ob sie die Kreativbranche bedroht oder befreit. Diese Diskussion gibt es an jeder Ecke, und ich finde sie wichtig. Aber sie ist nicht mein Thema heute.
Mein Thema ist simpler und konkreter: Warum die meisten KI-Texte so furchtbar klingen. Und was das mit den Menschen zu tun hat, die sie schreiben lassen.
Ich nutze KI jeden Tag. Sie hat meine Produktivität vervielfacht. Ich könnte ohne sie nicht mehr so arbeiten wie ich arbeite. Aber gut eingesetzte KI und schlecht eingesetzte KI sind zwei komplett verschiedene Dinge. Und die meisten, die ich sehe, machen es sich zu einfach.
Immer derselbe Klang
Es gibt einen bestimmten Klang, den ChatGPT-Texte haben, wenn man sie einfach so raushaut. Man erkennt ihn nach ein paar Sätzen. Manchmal nach einem.
Da sind die Sätze, die immer gleich gebaut sind: Nicht X, nicht Y, sondern Z. In einer Welt, in der. Es geht nicht nur um A, es geht um B. Alles kommt in Dreiergruppen: klar, authentisch und wirkungsvoll. Als gäbe es ein Gesetz, dass gute Dinge immer zu dritt auftreten müssen.
Da sind die Gedankenstriche. Überall. In jedem zweiten Satz. Früher haben die meisten Menschen, die keine Typografen sind, aus Versehen Bindestriche statt Gedankenstriche gesetzt. Heute setzt die KI korrekte Gedankenstriche in Texte von Menschen, die das Zeichen auf ihrer Tastatur gar nicht finden würden. Das allein ist schon ein Hinweis.
Da sind die Kommata vor dem „und“. Grammatikalisch korrekt, ja. Aber die meisten Menschen setzen sie im normalen Schreibgebrauch nicht. Ein Text, der das konsequent durchzieht, fühlt sich seltsam an. Nicht falsch. Aber fremd. Wie eine Stimme, die fast echt klingt, aber eben nur fast.
Da sind die Wörter: kraftvoll, ganzheitlich, maßgeschneidert, auf Augenhöhe. Da sind die Absätze, die alle mit einem Fazit-Satz enden, als würde man der Leserschaft nicht zutrauen, den Gedanken selbst zu Ende zu denken. Und da ist dieses merkwürdige Muster, jeden Text mit einer großen Weltklärung zu eröffnen, bevor man zum Punkt kommt.
Wer einmal darauf achtet, sieht es überall. Auf Websites, in Newslettern, auf LinkedIn. Derselbe Klang, derselbe Rhythmus. Langweilig.
Das Problem ist nicht die KI
Das Problem ist, was davor passiert. Oder besser: Was nicht davor passiert.
Die meisten Menschen öffnen ChatGPT, tippen „Schreib mir einen Text über mein Angebot“ und nehmen, was kommt. Kein Kontext. Keine Angabe, für wen der Text ist. Keine Beschreibung, wie sie klingen. Kein Wort darüber, was sie ausmacht oder was sie auf keinen Fall sagen würden.
Und dann wundern sie sich, dass der Text klingt wie von allen anderen.
Input gleich Output. Wenn du einer Maschine keine Persönlichkeit gibst, bekommst du den Durchschnitt. Den Mittelwert aller Texte, die sie je gelesen hat. Und der Durchschnitt klingt nach niemandem.
Es ist wie mit Canva. Canva ist ein tolles Tool. Die Vorlagen sehen professionell aus, alles ist durchgestaltet, die Proportionen stimmen. Und dann fängt jemand an, die Vorlage mit eigenen Inhalten zu füllen. Schrift wird kleiner gemacht, damit alles reinpasst. Ein zweites Foto wird irgendwo reingequetscht. Die Farben werden gegen die eigenen ausgetauscht, ohne zu verstehen, warum die Originalfarben funktioniert haben. Am Ende sieht das Ergebnis schlechter aus als vorher. Nicht weil Canva schlecht ist. Sondern weil die gestalterischen Grundlagen fehlen. Das Wissen um Typografie, Layout, Weissraum.
Mit KI-Texten passiert genau dasselbe. Das Tool liefert eine saubere Grundstruktur. Aber wenn du nicht weißt, wie guter Text funktioniert, wie deine Stimme klingt, was dich von anderen unterscheidet, dann machst du aus einer brauchbaren Vorlage etwas Beliebiges. Oder du nimmst sie einfach so, wie sie ist. Und dann klingt dein Text wie der von allen anderen, die auch einfach genommen haben, was kam.
Manchmal überrascht es mich, wie unkritisch Menschen mit ihren Chatbots umgehen. Sie reden förmlich mit einer Maschine. Sie stellen keine Rückfragen. Sie widersprechen nicht, wenn der Bot Unsinn liefert. Sie behandeln das Ergebnis wie eine Expertenmeinung, statt wie einen ersten Entwurf, den man auseinandernehmen sollte.
Niemand würde so mit einem Menschen zusammenarbeiten. Warum mit einer KI?
Was die meisten überspringen
Bevor du eine KI bittest, für dich zu schreiben, musst du selbst wissen, wie du klingst. Das klingt banal. Ist es aber nicht.
Die meisten Selbstständigen können dir in einem Gespräch sofort sagen, was sie tun und für wen. Aber frag sie, wie sie klingen wollen, was sie nie sagen würden, welche Wörter zu ihnen gehören und welche nicht, und es wird still.
Genau diese Lücke füllt die KI dann mit dem Durchschnitt. Mit kraftvoll und ganzheitlich und auf Augenhöhe. Nicht weil sie es nicht besser könnte. Du hast ihr einfach nicht gesagt, wie es anders klingen soll.
Wer sich die Zeit nimmt, seiner KI echten Kontext zu geben: Wer bin ich? Was mache ich? Für wen? Wie klinge ich? Was sage ich nicht? Der bekommt Ergebnisse, die sich anfühlen wie ein Gespräch mit jemandem, der mitdenkt. Der Rest bekommt Textbausteine.
Und es geht auch darum, wie du mit deiner KI redest. Die besten Ergebnisse bekomme ich, wenn ich mit meinem Bot so rede wie mit einer guten Kollegin. Direkt. Manchmal ungeduldig. Manchmal begeistert. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich das. Wenn etwas zu glatt klingt, sage ich: Zu glatt. Wenn ich eine andere Richtung will, erkläre ich warum.
Wer förmlich fragt, bekommt förmliche Antworten. Wer sich traut, echt zu sein, bekommt etwas, das nach einem guten Anfang klingt.
Warum ich meinen Kund*innen einen Brand Core Guide mitgebe
In der Clarity Session erarbeiten wir unter anderem, wofür dein Business steht, wie es spricht und was es bewusst weglässt. Das Ergebnis ist ein Brand Core Dokument. Und darauf aufbauend entwickle ich einen Brand Core Guide: ein KI-Profil deiner Marke, das wirklich durchdacht ist.
Das ist kein Prompt-Template. Es ist deine Positionierung, so aufbereitet, dass eine KI deiner Wahl damit arbeiten kann. Sie kennt dann deine Haltung und deine Sprache. Sie weiß, wie sie dir kontra geben darf. Und was sie nie vorschlagen sollte.
Der Unterschied ist sofort spürbar. Die KI schreibt nicht plötzlich besser. Sie weiß nur endlich, für wen.
Zum Schluss
KI macht deine Texte nicht besser. Sie macht sie schneller. Und wenn du vorher nicht weißt, wie du klingst, bekommst du schneller das Falsche.
Das gilt für Website-Texte genauso wie für Social Media und Newsletter. Die KI kann deine Stimme verstärken. Erfinden kann sie sie nicht.
Wenn du merkst, dass deine Texte sich lesen wie die von allen anderen: Das liegt wahrscheinlich nicht an deinem Tool. Es liegt daran, dass du ihm noch nicht gesagt hast, wer du bist.
Genau dafür gibt es die Clarity Session.