MARKETING

Soll ich meine Preise auf der Website zeigen?

Meine Antwort: Ja. Und ich erkläre dir, warum.

Aber fangen wir mit einer Gegenfrage an. Stell dir vor, du suchst eine neue Tasche. Dein Budget: maximal 100 Euro. Gehst du in eine Designerboutique, schaust dich um, findest etwas Schönes – und fragst dann erst an der Kasse nach dem Preis?

Nein. Ich auch nicht.

Ich schaue vorher ins Schaufenster. Ich will wissen, in welchem Preissegment ich mich bewege, bevor ich überhaupt reingehe. Wenn kein Preisschild zu sehen ist, gehe ich im Zweifel davon aus: Bestimmt zu teuer für mich. Und weiter.

Genau das passiert auf deiner Website, wenn du deine Preise versteckst.

Was Preistransparenz wirklich bedeutet

Es geht nicht darum, einen Preiskatalog auf die Startseite zu klatschen. Es geht darum, dass Menschen, die zu dir passen, sofort wissen: ich bin hier richtig. Und dass Menschen, die nicht zu dir passen, das auch sofort wissen – und weiterziehen, ohne deine Zeit zu verschwenden.

Das ist keine Abweisung. Das ist Effizienz. Und es ist respektvoll, in beide Richtungen.

Ich möchte nicht bequatscht werden. Und ich möchte meine Kund*innen nicht bequatschen. Sie sollen durch das, was sie auf meiner Website lesen, bereits überzeugt sein – und mich maximal noch persönlich kennenlernen wollen. Kein "Was kostet das?"-Ping-Pong. Kein Angebot, das mit Ernüchterung endet. Kein Gespräch, das hätte nie stattfinden müssen.

Wenn der Preis auf der Website steht, kommen nur die, die schon wissen: ja, das ist etwas für mich.

Aber meine Projekte sind alle individuell...

Das höre ich oft. Und ja, es gibt Dienstleistungen, bei denen kein fixer Preis möglich ist – weil jedes Projekt anders ist, weil der Aufwand variiert, weil es schlicht zu viele Variablen gibt.

Meine Lösung: Festpreise, wo es Festpreise gibt. Und Ab-Preise, wo individuell kalkuliert wird.

Aber – und das ist wichtig – ein Ab-Preis muss halten. Ein Ab-Preis, der gut klingt und sich im Angebot dann verdoppelt oder verdreifacht, zerstört Vertrauen. Ich habe das selbst erlebt, auf der anderen Seite. Das Kennenlern-Gespräch war gut, das Angebot dann eine Ernüchterung. Solche Erfahrungen vergisst man nicht. Und man bucht nicht.

Ein ehrlicher Ab-Preis ist kein Lockangebot. Er ist eine Orientierung. Er sagt: In dieser Preis-Range bewegen wir uns. Das reicht, um die Richtigen anzuziehen.

Aber die Konkurrenz sieht dann meine Preise

Dann sollen sie doch.

Deine Kund*innen kommen zu dir, weil sie dich wollen. Deine Art zu arbeiten, deine Haltung, deine Expertise – das gibt es nur bei dir. Das ist nicht kopierbar. Wer nur Preise vergleicht, war sowieso nicht deine Kundin.

Und mal ehrlich: Die Konkurrenz schaut sowieso. Mit oder ohne Preisangabe.

Preis ohne Kontext funktioniert nicht

Das stimmt. Ein Preis alleine sagt wenig. Wer 3.500 Euro liest, ohne zu verstehen, was dahintersteckt, wird zögern. Wer 3.500 Euro liest und auf der Seite davor verstanden hat, was er dafür bekommt – welche Arbeit, welche Entscheidungen, welche Verantwortung, welches Ergebnis – der denkt: okay, das macht Sinn.

Der Preis ist nicht das Problem. Fehlender Kontext ist das Problem.

Deshalb steht der Preis nie allein. Er steht am Ende einer Beschreibung, die erklärt, was wirklich dahintersteckt. Und er steht neben Beispielen, Ergebnissen, dem echten Bild davon, wie die Zusammenarbeit aussieht.

Dann wird der Preis fast zur Nebensache. Jedenfalls für die, die sowieso die Richtigen sind.

Meine Empfehlung

Geh von dir selbst aus. Wie kaufst du am liebsten? Mit vollständigen Informationen, die dir erlauben, selbst zu entscheiden. Ohne Gespräch, das du eigentlich nicht führen wolltest. Ohne Angebot, das dich überrascht.

Genau so sollten deine Kund*innen bei dir kaufen dürfen.

Zeig deine Preise, wo du Festpreise hast. Nenn Ab-Preise, wo du individuell kalkulierst. Und gib dem Preis immer den Kontext, den er braucht, um zu überzeugen.

Das ist Haltung.