Branding

Deine Markenwerte: warum ein einzelnes Wort nicht reicht

Als ich vor über 15 Jahren mit meinem Design-Diplom in der Tasche beschloss, mich selbstständig zu machen, bin ich da ziemlich naiv rangegangen. Hübsches Logo gestaltet, schöne Farben und Schriften ausgewählt, schnell eine Website zusammengeschustert – und los ging's.

Und weißt du was? Es hat funktioniert. Der erste Kunde war an Land, die nächsten kamen per Empfehlung, ich hatte gut zu tun.

Tja. Und dann kam der Moment, in dem ich dachte: Welcome to reality, Sophie.

Denn die Kunden, die ich angezogen hatte, waren nicht meine Kunden. Die Aufträge waren stinklangweilig. Kein einziges persönliches Wort war möglich, weil wir null auf Wellenlänge waren. Die Wertschätzung für Design: nicht vorhanden. Ich hätte alles in Word gestalten können – sie hätten es nicht mal bemerkt.

Irgendwann zog ich die Reißleine. Hörte auf, einfach weiterzumachen. Und stellte mir zum ersten Mal die Frage, die eigentlich am Anfang hätte stehen sollen: Wofür stehe ich eigentlich?

Was Markenwerte wirklich sind

Markenwerte sind keine Liste von netten Adjektiven, die du auf deine About-Seite schreibst und dann vergisst. Sie sind auch keine Wunschliste oder eine Beschreibung davon, wie du gerne wärst oder wonach du strebst.

Sie beschreiben, was jetzt, heute, in deinem Business gelebt wird. Was du wirklich glaubst. Woran du wirklich festhältst, auch wenn es unbequem wird.

Der Unterschied klingt klein. Ist er aber nicht.

Eine Marke, die sagt "Wir stehen für Qualität", sagt eigentlich nichts. Qualität ist keine Haltung, es ist eine Erwartung. Jede Marke behauptet das. Was unterscheidet dich?

Eine Marke, die sagt "Ich arbeite nur mit Menschen, die wirklich bereit sind, sich zu zeigen und lehne Aufträge ab, wenn das Fundament fehlt" – die sagt etwas. Die polarisiert. Die zieht die Richtigen an und lässt die anderen ziehen.

Genau darum geht es.

Meine eigenen Werte – und was sie konkret bedeuten

Ich zeige dir das an mir, weil abstrakte Erklärungen wenig helfen.

Meine wichtigsten Werte bei Studio Alma sind Freiheit, Toleranz, Neugier und Offenheit. Aber so stehen sie nicht in meinem Kopf. So stehen sie in meinem Kopf:

Freiheit bedeutet für mich, dass ich meinen Kund*innen ermögliche, ihr Business so zu leben, wie ich meins lebe. Nicht abhängig von einer Agentur, nicht ausgeliefert an jemanden, der die Passwörter (und den Urlaubsplan!) hat. Selbstständig im echten Sinne.

Toleranz bedeutet, dass ich kein Projekt vorverurteile und keine Person. Ich kann mich in jedes Business so reindenken, als wäre es meins – egal wie weit es von meiner eigenen Welt entfernt ist.

Neugier bedeutet, dass ich neue Tools, neue Trends und neue Denkweisen nicht als Bedrohung sehe, sondern als Material. Ich bin nicht Trend-gesteuert. Aber ich schaue hin.

Offenheit bedeutet, dass ich meinen Kund*innen sage, was ich wirklich denke. Auch wenn es unbequem ist. Gerade dann.

Und da mein Studio nur aus mir besteht, sind das nicht die Werte meines Unternehmens – das sind meine Werte. Seit ich sie kenne und kommuniziere, kommen die Kund*innen, mit denen ich wirklich arbeiten will.

Das ist kein Zufall.

Wie du deine eigenen Werte findest

Es gibt keinen perfekten Prozess dafür. Aber es gibt einen, der funktioniert.

Fang mit dem Chaos an. Schreib alles auf, was dir spontan einfällt: Wörter, Halbsätze, Bilder. Wofür stehst du? Was kannst du nicht ausstehen? Was würdest du niemals tun, egal wie viel Geld auf dem Tisch liegt? Was sagst du Kund*innen, wenn sie eine Richtung einschlagen wollen, die du für falsch hältst?

Lass den Perfektionismus raus. Nicht jeder Gedanke muss gut sein. Du brauchst erstmal Masse.

Dann: kürzen. Wenn du versuchst, zehn Werte gleichzeitig zu kommunizieren, kommunizierst du keinen davon. Zwei bis vier Werte, die wirklich tragen – das reicht. Wähle die, bei denen du sofort weißt: Ja. Das bin ich. Nicht: Das sollte ich sein.

Und dann kommt der entscheidende Schritt, den die meisten überspringen: Formuliere aus, was jedes Wort für dich konkret bedeutet. Nicht "Qualität", sondern was Qualität in deinem Business aussieht. Nicht "Ehrlichkeit", sondern wie du Ehrlichkeit lebst, auch wenn sie wehtut. Wenn deine Werte so allgemein sind, dass sie auch auf jeden Mitbewerber passen könnten – dann musst du tiefer gehen.

Zuletzt: Überleg, wie du diese Werte zeigst. Nicht als Liste auf deiner Website. Sondern in der Art, wie du schreibst. In den Projekten, die du annimmst – und in denen, die du ablehnst. In den Fragen, die du deinen Kund*innen stellst, bevor ihr anfangt. In allem, was du nach außen trägst.

Deine idealen Kund*innen teilen deine Werte. Sie suchen danach. Sie erkennen es, wenn sie es sehen – und sie merken genauso, wenn es fehlt.

Ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat, als ich das zum ersten Mal wirklich durchgearbeitet hatte. Für mich selbst, so richtig ehrlich.

Es war das erste Mal, dass mein Business sich nach mir angefühlt hat.

Das wünsche ich dir auch.

Wenn du das lieber nicht alleine durcharbeitest: Genau dafür gibt es die Clarity Session. Wir machen das gemeinsam – in einem Gespräch, das wirklich weiterbringt.

Mehr zur Clarity Session